Deutscher Bauernkrieg ab 1524

zeitgenössischer Holzschnitt
Als Deutscher Bauernkrieg (auch Erhebung des gemeinen
Mannes) wird die Ausweitung lokaler Bauernaufstände ab 1524 in weiten
Teilen des süddeutschen Sprachraumes (Süddeutschland, Österreich
und der Schweiz) bezeichnet, wobei die Bauern mit ihren Zwölf Artikeln
erstmals fest umrissene Forderungen formulierten. In Schwaben, Franken,
dem Elsass und in Thüringen wurden die Aufstände 1525, in Sachsen
und Tirol 1526 niedergeschlagen. Diesem Bauernkrieg gingen Aufstände
in England und der Schweiz voraus.
Die Ursachen für das Aufbegehren der Bauern waren vielfältig. Anfang
des 16. Jahrhunderts war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation
im süddeutschen Sprachraum und dort vor allem in Schwaben in eine unüberschaubare
Vielzahl kleiner Feudalherrschaften zersplittert. Viele Probleme der Bauern
waren lokal und durch den jeweiligen Landesherrn bedingt; die kleinen Wirtschaftseinheiten
führten zu Abgrenzung und Kirchturmdenken und bremsten den wirtschaftlichen
Aufschwung.
Die meisten Ursachen der Aufstände waren aber in der allgemeinen Situation
der Bauern, der größten Bevölkerungsgruppe im Reich, begründet,
die sich von Herrschaft zu Herrschaft nicht wesentlich unterschied.
Viele der einfachen Bauern trauten sich aufgrund ihrer vielfachen Abhängigkeitsverhältnisse
nicht, gegen ihre Herren aufzubegehren. Vor allem die dörfliche Oberschicht
wollte aber Veränderungen. Schultheißen, Bauernrichter, Dorfhandwerker
und Ackerbürger aus den Kleinstädten trugen den Aufstand und
drängten vielerorts die armen Bauern zum Anschluss an die Bauernhaufen.
Die Bauern selbst wollten vor allem ihre altüberlieferten Rechte
wiederherstellen und ein menschenwürdiges und im Übrigen gottesfürchtiges
Leben führen. Ihre Forderungen nach Milderung der Lasten und Aufhebung
der Leibeigenschaft aber rüttelten an den Grundfesten der bestehenden
Gesellschaftsordnung.
1524 kam es bei Forchheim in der Nähe von Nürnberg neuerlich
zu Unruhen, kurz darauf auch in Mühlhausen bei Erfurt. Im Oktober
1524 erhoben sich die Bauern im Wutachtal bei Stühlingen. Wenig
später zogen 3.500 Bauern in Richtung Furtwangen. In Oberschwaben
rund um den Bodensee gärte es schon länger und innerhalb kurzer
Zeit bildeten sich im Februar und März 1525 drei bewaffnete so
genannte Bauernhaufen: der Baltringer Haufen, der Seehaufen, und der
Allgäuer Haufen. Der größte der drei war der Baltringer
Haufen: mehr als 12.000 Bauern, Bürger und Geistliche sammelten
sich innerhalb weniger Tage im Baltringer Ried in der Nähe von
Biberach. Auch der Allgäuer Haufen in der Nähe von Lindau
bestand aus annähernd 12.000 Männern, darunter auch viele
einfache Geistliche und Landsknechte. Die 7.000 Allgäuer Bauern,
die vor allem gegen den Fürstabt von Kempten aufbegehrten, lagerten
bei Leubas.
Ende März 1525 sammelte sich das Heer von Waldburg-Zeil in Ulm.
Ein Stück donauabwärts bei Leipheim hatten sich um den Prediger
Jakob Wehe 5.000 Bauern versammelt, die im weiteren Umkreis Klöster
und Adelssitze plünderten. Das Heer des Schwäbischen Bundes
marschierte deshalb nach Leipheim und rieb schon auf dem Weg dorthin
einzelne plündernde Bauerngruppen auf. Am 4. April kam es zur ersten
großen Schlacht bei Leipheim, in der der Leipheimer Haufen besiegt
wurde. Die Stadt Leipheim musste ein Strafgeld zahlen; Wehe und die
anderen Führer des Haufens wurden hingerichtet.
Ebenfalls Anfang April sammelten sich auch die Bauern aus dem Neckartal
und dem Odenwald unter Jäcklein Rohrbach. Zu Ostern 1525 (16. April)
lagerten der Neckartaler Haufen bei Weinsberg, wo der hitzköpfige
Rohrbach den von den Bauern gehassten Grafen Ludwig von Helfenstein,
den Schwiegersohn von Kaiser Maximilian I., und seine Ritter Spießruten
laufen ließ. Der schmerzvolle Tod der Adligen durch das Stechen
und Prügeln der Bauern ging als die Weinsberger Bluttat in die
Geschichte des Bauernkriegs ein. Sie prägte entscheidend das Bild
vom mordenden und plündernden Bauern und war einer der Hauptgründe,
weshalb sich viele Adlige gegen die Sache der Bauern stellten. Zur Strafe
wurde die Stadt Weinsberg niedergebrannt und Jäcklein Rohrbach
bei lebendigem Leib verbrannt. Nach der Bluttat von Weinsberg vereinigten
sich die Neckartaler und Odenwälder mit dem von dem fränkischen
Adligen Florian Geyer geführten Taubertaler Haufen (Schwarzer Haufen)
zum starken Heller Lichter Haufen. Die annähernd 12.000 Männer
wandten sich unter der Führung des Hauptmanns Götz von Berlichingen
gegen die Bischöfe von Mainz und Würzburg und den Kurfürsten
von der Pfalz.
Am 12. April stellte die Streitmacht des Schwäbischen Bundes den
Baltringer Haufen, der schnell besiegt werden konnte. Die Bauern wurden
entwaffnet, und jeder musste ein hohes Strafgeld zahlen.
Am 13. April musste sich der Truchsess mit seinem Heer vor dem militärisch
recht gut ausgebildeten Seehaufen wieder zurückziehen und traf
einen Tag später, am 14. April bei Wurzach auf die eigenen Bauern
des Allgäuer Haufens. Er verhandelte mit ihnen und konnte sie überzeugen,
ihre Waffen niederzulegen. Im Vertrag von Weingarten am 20. April machte
er dem Seehaufen und dem Allgäuer Haufen Zugeständnisse und
garantierte ihnen freien Abzug und ein unabhängiges Schiedsgericht
zur Austragung ihrer Konflikte.
Am 16. April sammelten sich die Württemberger Bauern. Die 8.000
Mann starke Truppe rückte in die Stadt Stuttgart ein und zog im
Mai weiter nach Böblingen.
Auch bei Hall und Gmünd bildeten sich kleinere Haufen, die 3.000
Anhänger plünderten die Klöster Lorch und Murrhardt und
legen die Burg Hohenstaufen in Schutt und Asche. Auch im Kraichgau und
Ortenau wurden Klöster geplündert und Burgen niedergebrannt.
Nach dem Erfolg von Weingarten zog das Heer Waldburg-Zeils ins Neckartal.
Die Bauern wurden bei Balingen, Rottenburg, Herrenberg und am 12. Mai
in der Schlacht bei Böblingen trotz großer Überzahl
geschlagen. Anführer Matern Feuerbacher floh daraufhin nach Süden.
Ähnlich erging es am 2. Juni den Neckartalern und Odenwäldern
bei Königshofen.
Am 23. Mai nahm ein Haufen von 18.000 Breisgauer und Südschwarzwälder
Bauern Freiburg im Breisgau ein. Nach dem Erfolg wollte der Anführer
Hans Müller den Belagerern von Radolfzell zu Hilfe eilen, doch
nur wenige Bauern zogen mit ihm; die meisten wollten sich wieder
um ihre Felder kümmern. So war deren Streitmacht relativ klein,
als sie von Erzherzog Ferdinand von Österreich kurz darauf geschlagen
werden. Waldburg-Zeil traf am 4. Juni bei Würzburg auf den Hellen
Lichten Haufen der fränkischen Bauern, und da dieser am Vortag
von Götz von Berlichingen unter einem Vorwand verlassen wurde,
hatten die führerlosen Bauern keine Chance. In zwei Stunden wurden
8.000 Bauern getötet.
Nach diesem Sieg wendeten sich die Truppe des Bauernjörg wieder
nach Süden und besiegten im Allgäu Ende Juli die letzten Aufständischen.
In vier Monaten hatte die Armee des Georg Truchsess von Waldburg-Zeil
mehr als 1.000 km zurückgelegt.
Die Schlacht bei Frankenhausen am 15. Mai 1525 war eine der bedeutendsten
Schlachten während des Deutschen Bauernkriegs. In ihr wurden die
aufständischen Bauern Thüringens unter Führung von Thomas
Müntzer von einem Fürstenheer vollständig besiegt. Müntzer
selbst wurde gefangen genommen und am 27. Mai in Mühlhausen enthauptet,
nachdem er auf die Festung Heldrungen gebracht und gefoltert worden
war.
Etliche kleinere Aufstände wurden ebenso niedergeschlagen; so
wurde am 23./24 Juni 1525 in der Schlacht bei Pfeddersheim die im pfälzischen
Bauernkrieg aufständischen Haufen vernichtend geschlagen. Bis September
1525 waren alle Gefechte und Strafaktionen abgeschlossen. Kaiser Karl
V. und Papst Clemens VII. dankten dem Schwäbischen Bund für
sein Eingreifen.